Kurzentschlossen meldete ich mich letzten Herbst für einen Marathon an. Nein, keinen der großen Stadtmarathons, auch keinen der reizvollen Landschaftsmarathons sondern einen mit der kürzesten Anreise, die man sich vorstellen kann. Die Rede ist vom Darmstädter Knastmarathon.

Dieser fand am 5. Mai bereits zum 13. Mal statt. Veranstaltet vom SV Kiefer, einem Verein, der 1992 zur Unterstützung des Sportangebots innerhalb der JVA Darmstadt gegründet wurde. Das Besondere an dem Marathon ist neben der Örtlichkeit die Tatsache, dass auch Inhaftierte daran teilnehmen. In diesem Jahr waren 5 Insassen der JVA dabei, maximal 180 externe Läufer konnten sich anmelden. Bei der Anmeldung gibt man Pass und Handy ab, anschließend durchläuft man eine Kontrolle ähnlich wie bei Flughafen und auch der Drogenspürhund kommt zum Einsatz.

 

Das Gelände ist weitläufiger, als man es sich vorstellt, aber trotzdem müssen 24 Runden inklusive Wendepunkte absolviert werden, bis die Marathondistanz geschafft ist. Flach ist die Stecke, aber durch die Kurverei nicht unbedingt als rhythmisch zu bezeichnen.
Hatte ich vor dem Start durchaus Angst vor einer monotonen Strecke, so empfand ich es als sehr positiv, immer wieder dieselben Gesichter zu sehen. Apropos dieselben Gesichter. Zuschauer von draußen gab es nur wenige, dafür aber viele Inhaftierte, die vor allem ihre Mitinsassen lautstark anfeuerten. Ein wenig konnte man an einen Zoobesuch denken – nur wer beäugt da eigentlich wen?

Meine Vorbereitung bestand aus ca. 500 Laufkilometern seit Dezember, mein längster Lauf waren 28 km gewesen. Mein ursprüngliche Plan hatte etwas mehr Lauferei vorgesehen, aber manchmal kommt es eben anders. Parallel dazu bin ich etwa 1700 km Rad gefahren und der Meinung, dass das den einen oder anderen Lauf ersetzt. Stabitrainung, ja davon habe ich auch mal gehört…

Der Knastmarathon war mein erster (Solo-) Marathon. Dementsprechend war die Aufregung durchaus spürbar und ich war froh, als die Startflagge geschwungen wurde. Startschuss und Gefängnis passen ja auch irgendwie nicht zusammen. Ich hatte mir vorgenommen, gefühlt locker loszulaufen und das Tempo so lange zu halten, wie es geht. Der Plan ging tatsächlich recht gut auf, erst ab Kilometer 38 wurde es dann wirklich eine zähe Angelegenheit. Mit meiner Zielzeit von 4:12 Stunden und damit Platz 8 bei den Frauen bin ich sehr zufrieden.

Und nun wird wieder mehr Rad gefahren!

   

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